Den richtigen Ton treffen

Die Musikaufnahmen von »Weltenbummler und Meisterdiebe« zum Anfassen!

Es kostet Mut, sich vor dutzende Musiker zu stellen und eine Aufnahme zu leiten. Es kostet Mut, wenn man die Musik auch noch selbst geschrieben hat. Es kostet Mut, auch die eigenen Hände zum Dirigieren zu verwenden. Und doch ist es, so glaube ich, der Traum von vielen, dass ihre eigene Musik einmal von einem echten Orchester erklingt. Und dieser Traum ist es absolut wert, diese Erfahrung zu machen.

Nun besitzt ja nicht jedes Computerspiel, jeder Film oder jedes Hörspiel einen mit Musikern eingespielten Soundtrack. Entweder aus ästhetischen oder aber auch aus Kosten- und Zeitgründen. Und weil Musik aus dem Computer mittlerweile sehr echt klingen kann. Dennoch ist gerade bei einem klassischen Abenteuer mit fantastischer Note wie »Weltenbummler und Meisterdiebe« die Lebendigkeit seiner Komponenten, also Sprecher, Geräusche oder aber auch Musik gefragt. Da die Musik auch an ein paar Stellen im Vordergrund steht, ist es wichtig, hier das beste und lebendigste Resultat zu erzielen. Die Musiker erwecken den Soundtrack zum Leben. Gerade die, mit denen ich zusammenarbeite, legen so viel Herzblut in ihre Interpretation, dass der Unterschied zur Computer-Version sehr deutlich ausfällt und die Musik nun richtig anfängt zu leben.

Bis zum fertigen Soundtrack ist jedoch eine ganze Menge an Arbeitsschritten notwendig. Da das Komponieren auch seine Zeit braucht, fange ich schon so früh wie möglich an. Dabei sammele ich, während die Geschichte geschrieben wird, schon erste musikalische Ideen. Meistens sind das kleine Abschnitte, die sich entweder auf ganz spezielle Szenen oder bestimmte Charaktere beziehen. Diese kleinen Entwürfe notiere und sammle ich und manchmal simuliere ich schon Teile mit virtuellen Instrumenten am Computer, um zu hören, wie es einmal klingen könnte.

Sobald das Dialogbuch fertig ist, mache ich eine Dramaturgie-Skizze. Dabei entwerfe ich neben den verschiedenen »Spezial-Sounds« auch einen differenzierten Musikablaufplan. Das bedeutet, ich schaue, welche Szenen von wo bis wo mit Musik unterlegt werden oder wo sonst noch Musik hin soll. Dann krame ich meine Musikentwürfe hervor und schaue, wie ich die musikalischen Ideen am besten verarbeite. Dabei entstehen schon Pläne zur Besetzung. »Weltenbummler und Meisterdiebe« wird nicht durchgehend mit einem vollen Orchester besetzt, sonst würde die Musik das Hörspiel erschlagen. Es ist eine verspielte Abenteuergeschichte, weshalb ich auf die volle Orchestrierung natürlich eher selten zurückgreife. Bei epischeren Geschichten wie Troja oder Gladiator würde das anders aussehen. Natürlich werden einzelne Instrumentengruppen häufiger verwendet, andere seltener. Häufig werde ich weniger Instrumente gezielt einsetzen. Dabei ist vor allem noch zu sagen, dass ich an vielen Stellen ein spezielles folkloristisches Ensemble aus Slowenien, bestehend aus Tamburica, Geige, Hackbrett und Zither nutzen werde, um die Musik unverwechselbarer zu machen. An anderen Stellen werden Musiker im Popmusikstil der 50er und 60er Jahre einspielen. Wichtig ist vor allem, dass die Musik die Handlung unterstützt, die Stimmung der Szenen einfängt und sich nicht in den Vordergrund spielt. Aus diesem Grund besetze ich die jeweiligen Musikstücke immer passend zur Handlung.

Wenn alle Dialoge einer Szene eingesprochen sind und diese im Timing angepasst wurden, nehme ich die Schnittfassung, um die Musik darauf maßzuschneidern. Dafür nutze ich die Software Logic, die zum Komponieren gedacht ist. Hierfür habe ich eine riesige Auswahl an sehr guten virtuellen Instrumenten. Ich kann mithilfe eines MIDI-Keyboards die Stimme jedes einzelnen ausgewählten Instruments zur Szene einspielen. Je nach Timing passe ich mir das Tempo des Metronoms an und spiele dann Stimme für Stimme ein. Dabei ändere ich oft noch vieles an der jeweiligen Besetzung oder der Stimmführung. Würde ich nun keine Aufnahme mehr planen, müsste ich noch einmal Note für Note aller eingespielten Instrumente anpassen. Somit kann ich die Spielweise eines echten Instrumentes recht gut simulieren. Allerdings wird zum flüssigen Arbeiten auch ein sehr flotter PC benötigt, da die Datenmengen der virtuellen Instrumente enorm sind. Im Anschluss könnte ich dann dieses Arrangement ausspielen und der Soundtrack für die Szene wäre fertig.

Für »Weltenbummler und Meisterdiebe« schreibe ich jedoch im nächsten Schritt Noten. Die Partitur erstelle ich mit einem Notensatzprogramm, das mir dann auch die Einzelnoten für jedes Instrument ausspuckt. Praktisch! Aber trotzdem viel Arbeit. Danach heißt es vor allem organisieren. Alle Musiker zusammentrommeln und die Noten verteilen, Räumlichkeiten mieten… In der Regel nehme ich nie alle Musiker gleichzeitig auf, da manche entweder keine Zeit haben oder ich bestimmte Instrumente lauter oder leiser brauche, als es im gemeinsamen Spielen möglich ist. Jede Instrumentengruppe hat zwar ihr eigenes Mikrofon, aber auch hier kann ich nur bis zu einem gewissen Grad nachjustieren. Allerdings versuche ich immer, möglichst viele Musiker zusammenzufassen, da Sachen, die zusammen gespielt werden, deutlich homogener und somit schöner klingen.

Schließlich nehme ich manche Musiker und einzelne Gruppen im Nachhinein auf das Playback der bereits eingespielten Instrumente auf. Jeder bekommt dazu einen Kopfhörer, damit sie synchron zum Metronom oder zum Playback spielen. Sind alle Instrumente eines Stückes eingespielt, geht es noch an den Schnitt und an die Mischung. Die nachträglichen Instrumente müssen dabei noch mit Hall versehen werden, damit sie ihren entsprechenden Platz im Orchester finden.

Im folgenden Video kann man anhand der Titelmelodie von »Weltenbummler und Meisterdiebe« sehr schön sehen und hören, wie so eine Aufnahme abläuft und wie toll die Musiker klingen, die an diesem Hörspiel mitwirken.

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