Die Stille der Berge

Geräuschaufnahmen (2)

Mitten in den Alpen auf knapp 2000 Metern Höhe befindet sich das Diebesversteck der Helden von »Weltenbummler und Meisterdiebe«. Fernab vom Trubel der Großstädte, aber auch fernab von der zischenden Brandung des Meeres. Eine Gegend, die so hoch liegt, dass sich aber auch kaum mehr Vögel dahin verirren. Nur noch die ruhigen Wogen eines Bergsees, der Wind und das gelegentliche Summen von Bienen sowie das Blöken der Bergschafe umgibt das Refugium der Helden. Die Geräuschkulisse soll für das Hörspiel natürlich genau diesen Ort wiederspiegeln und so komme ich nicht umhin, mir meine mobile Aufnahmetechnik zu schnappen und einen Ort zu suchen, der eben so klingt. Eine Leidenschaft fürs Bergsteigen hilft dabei ungemein.

Diesen Ort zu finden, an dem die entsprechende Stille ohne Nebengeräusche von Touristen, Autobahnen und/oder Flugzeugen vorherrscht, ist auch in den Alpen gar nicht mal so einfach. Der Königssee liegt zwar wunderbar abgeschottet in den Bergen, doch die A8 verläuft kaum 10 Kilometer entfernt und der Besucherstrom ist auch nicht zu unterschätzen. Eine richtig ruhige Aufnahme wird hier wohl kaum möglich sein. Ganz anders das »Steinerne Meer«. Dieses über 2000 Meter Meereshöhe liegende Hochplateau bietet nicht nur die passende Akustik, sondern auch eine unfassbare Landschaft. Die Freunde Julius, Werner, Sascha und meine Wenigkeit planten also eine Route – von Saalfelden im Steinernen Meer den Hüttenweg hoch zum »Riemannhaus«. Das Riemannhaus, eine äußerst komfortable Berghütte des Alpenvereins, liegt quasi am Eingang zum Steinernen Meer und bietet einen wunderbaren Blick nach Süden. Dann den »Eichstätter Panoramaweg« entlang, quer durch das Steinerne Meer bis zum »Ingolstädter Haus«, einer ebenfalls wunderschönen und sehr großen Berghütte, die auch unser Nachtquartier beinhaltete. Von dort aus kann man an schönen Tagen sogar bis zum Königssee hinunterblicken. Dann am nächsten Tag wieder mitten durch das Hochplateau und wieder nach Saalfelden zurück.

So also die Theorie. Ein sehr steiler Hüttenweg führt von Mariaalm bei Saalfelden zum Riemannhaus hinauf. Zwar gibt es eine Materialseilbahn, damit die Bewirtung in 2000 Meter Höhe möglich ist, allerdings ist diese nicht für Menschen oder Tiere gedacht. Der einzige Weg nach oben ist ein seilgesicherter Felssteig. So etwas ist für den erfahrenen Bergsteiger natürlich nicht dramatisch – für den erfahrenen Bergsteiger und 45 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken und dann noch bei Regen hingegen sehr wohl. Schließlich mussten drei Mikrofon-Stative, vier Mikrofone und auch die ganzen Kabel dafür mit. Der Field-Rekorder selbst war dabei noch das leichteste Gepäckstück. Er kam bei einer Bergquelle während des Aufstiegs auch bereits erstmalig zum Einsatz.

Als wir den glitschigen Felssteig überwunden hatten wurden wir aber mit einem sagenhaften Ausblick belohnt. Auf dem Riemannhaus gab es erst einmal eine stärkende Kaspressknödelsuppe. Das ist bei so einem Wetter ein Hochgenuss. Denn nun stand noch der schöne Eichstätter Panoramaweg an, allerdings in einem nicht enden wollenden Graupelschauer. Wir sahen zu, dass wir noch bis zum Einbruch der Dunkelheit das rund drei Stunden entfernte »Ingolstädter Haus«, unser Nachtquartier, erreichen. Bei unserer einzigen Rast nutzte ich die Gelegenheit, um die Stille des Hochplateaus erstmalig aufzuzeichnen. Als wir im Ingolstädter Haus ankamen, hatten wir Glück, dass – wohl aufgrund des schlechten Wetters – noch Betten in der Nothütte frei waren. Sonst hätten wir wohl aufgrund des Zulaufs mit Hüttenschlafsack auf der Eckbank der Wirtsstube nächtigen müssen. Reservieren lohnt also auch hier.

Der folgende Tag hingegen konnte vom Wetter kaum herrlicher sein. Die Landschaft der zerklüfteten Felswüsten und die Ruhe waren atemberaubend. Letztere wurde nur durch die – aufgrund des schönen Wetters – Scharen an Wanderern gestört. Apropos gestört: Verkehrsflugzeuge – sind sie auch noch so weit oben – sind in dieser Ruhe sehr wohl hörbar. Ich kann zwar die Aufnahmen größtenteils verwenden, aber ab und zu stört ein vorbeigleitendes Passagierflugzeug doch sehr beträchtlich. Wir sind eben immer noch in Mitteleuropa und da ist der Flugverkehr äußerst dicht. Daher habe ich für das Hörspiel einige Hintergrundatmos aus Neuseeland zugekauft. Dennoch war das Steinerne Meer ein lohnender Ausflug. Auch wenn mein Rücken aufgrund der Gepäcklawine auch noch zwei Wochen nach dem Trip wehgetan hat.

In die bei diesem Ausflug entstandenen Geräuschaufnahmen kann hier in einem kurzen Ausschnitt reingehört werden. Noch beeindruckender sind aber die Bilder. Danke an Sascha und Julius. Ich kann nur jedem empfehlen, einen Ausflug ins »Steinerne Meer« zu unternehmen. Nehmt dann allerdings nicht so viel Gepäck mit!

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